Die Chloropidenfauna (Diptera, Chloropidae) immissionsgeschädigter Rasenbiotope im Saaletal bei Jena (Thür.). XV. Beitrag über den Einfluß von Luftverunreinigungen auf Ökosysteme.

  • Rudolf Bährmann
  • Jörg Weipert

Abstract

Untersucht wurde die Chloropidenfauna in einem durch Immissionen eines Düngemittelwerkes im Saaletal bei Jena unterschiedlich stark belasteten Komplex von fünf verschiedenen Rasenbiotopen, und zwar mit Hilfe von Kescher-, Barber- und Gelbschalenfängen. Die Untersuchungen fanden 1978-1982 und 1985 statt. 45529 Chloropiden konnten erbeutet werden, die 48 Arten angehören. Davon sind 13 Arten eurytop, d. h., sie wurden im Zeitraum von 1978-1982 mindestens während eines Untersuchungsjahres in sämtlichen Probeflächen gekeschert. Diesem relativ hohen Prozentsatz an eurytopen Arten entsprechen auch verhältnismäßig hohe Renkonen-Werte der Dominanten-Identität im Vergleich zur Dominanten-Identität der Chloropiden in naturnahen Rasenbiotopen. Die Repräsentanz - prozentuale Verteilung der Individuen einer Art über sämtliche untersuchte Rasenbiotope - der 12 individuenreichsten Arten zeigt, von wenigen Ausnahmen abgesehen, eine mehr oder weniger ausgeglichene Individuenverteilung. Die Arten-Individuen-Relationen in Probefläche 4 führen zu einer relativ steilen Dominanzkurve, wofür vor allem die Individuendichten der ranghöchsten Arten verantwortlich sind. Eine ausgeglichenere Dominanzstruktur liegt für die Probeflächen 1, 2, 3 und 5 vor. Die Fluktuationsrate der Arten ist im Agropyron-Rasen größer als in den übrigen Probeflächen. Zu den relativ häufigen Chloropiden-Arten gehört Meromyza nigriventris, deren Saisonformen genauer untersucht werden. Durch Schlupfkontrollen der Chloropiden-Imagines aus Agropyron- bzw. Puccinellia-Proben, die zwischen den Monaten März und August 1985 in monatlichem Abstand aus dem Freiland ins Labor überführt worden waren, ließen sich für 10 Arten die Wirtspflanzenbindungen aufklären bzw. bestätigen. Außerdem ermöglichten die Ergebnisse der Schlupfuntersuchungen in Verbindung mit Kontrollen der Ovarentwicklung Aussagen zur saisonalen Einnischung individuenreicher Chloropiden-Arten aus den Probeflächen 4 und 5. Die Mehrzahl der auf diese Weise untersuchten Arten dürfte in der Regel zwei Generationen pro Jahr hervorbringen. 16 der 48 Arten treten in jedem der Untersuchungsjahre 1978-1982 mindestens in einer der Probeflächen und damit zeitkonstant auf. Der höchste Prozentsatz zeitkonstanter (persistenter) Arten wurde im Puccinellia-Rasen ermittelt, d. h. in derjenigen Probefläche, die die höchste Immissionsbelastung aufweist. Die Individuendichte der einzelnen Arten kann von Jahr zu Jahr erheblichen Schwankungen unterworfen sein. Hohe Individuenzahlen potentieller landwirtschaftlicher Schädlinge unter den Chloropiden, wie die im Untersuchungsgebiet häufigen Oscinella-Arten, stellen für nahe gelegene landwirtschaftliche Nutzflächen eine latente Gefahr dar. - Die zeitliche und räumliche Einnischung der Chloropiden-Arten des Immissionsgebietes wird mit der Raum- und Zeitstruktur der Chloropidenfauna naturnaher Rasenbiotope verglichen.

Veröffentlicht
1989-12-31
Zitationsvorschlag
Bährmann, R., & Weipert, J. 1989: Die Chloropidenfauna (Diptera, Chloropidae) immissionsgeschädigter Rasenbiotope im Saaletal bei Jena (Thür.). XV. Beitrag über den Einfluß von Luftverunreinigungen auf Ökosysteme. - Beiträge Zur Entomologie = Contributions to Entomology 39(2): 279-317 - doi: 10.21248/contrib.entomol.39.2.279-317
Seiten
279-317
Rubrik
Artikel