Experimentelle Untersuchungen zum Migrationsverhalten des Kleinen Fuchs (Aglais urticae L.) (Lepidoptera: Nymphalidae).

  • Hubert Franz Maria Roer

Abstract

In den Jahren 1956-1961 wurden ca. 23000 markierte Falter einer rheinischen Population des Kleinen Fuchs [Aglais urticae L.) bei Bonn ausgesetzt, um Fragen des Ortswechsels und der ihn auslösenden Faktoren zu klären. 1% der Versuchsfalter wurden zurückgemeldet. Nur ein kleiner Teil der frisch geschlüpften Imagines erfährt ein Einklinken in den Migrationskreis; das Gros bleibt mehr oder minder standorttreu. Nachweislich entfernten sich nur 12 Versuchsfalter mehr als 16 km vom Auflaßort (Fern-wanderer). Die maximale Flugleistung erzielte ein urticae-Falter, der 7 Tage nach dem Start 150 km nordöstlich des Startplatzes gefangen wurde. Die zurückgemeldeten Fernwanderer gehörten ohne Ausnahme der vorletzten Jahresgeneration an (Septemberfalter). Andererseits sind es gerade die im September schlüpfenden Falter, die nach den vorliegenden Beobachtungen nach Anlegen eines Reservestoffkörpers erfolgreich überwintern. Es muß daher angenommen werden, daß Wechselbeziehungen zwischen diesen beiden Lebensäußerungen, Wandertrieb und Diapause, bestehen. Möglicherweise ist die Bereitschaft zum Migrieren ein photoperiodisch gesteuerter Diapause-Effekt. Witterungsfaktoren sind conditiones sine quibus non, aber nicht conditiones per quas Migrationen ausgelöst werden. Die Zugrichtung der Wanderer wird von der Luftströmung bestimmt. Aglais urticae gehört demnach nicht zu jener Gruppe von Wanderinsekten, die sich, um ihre einmal eingeschlagene Zugrichtung konstant einhalten zu können, der Raumorientierung bedienen müssen.

Veröffentlicht
1962-09-30
Zitationsvorschlag
Roer, H. F. M. 1962: Experimentelle Untersuchungen zum Migrationsverhalten des Kleinen Fuchs (Aglais urticae L.) (Lepidoptera: Nymphalidae). - Beiträge Zur Entomologie = Contributions to Entomology 12(5-6): 528-554 - doi: 10.21248/contrib.entomol.12.5-6.528-554
Seiten
528-554
Rubrik
Artikel